Abbildung des Seitenaltars von St. Wolfgang in München-Pipping
Abbildung des Seitenaltars von St. Wolfgang in München-Pipping

Der Abschiedsraum im Deutschen Herzzentrum München
Konzept und Gemälde von Hubertus Reichert (2014-2016)

Der Abschiedsraum im Deutschen Herzzentrum München wurde aus pastoraler Sicht als unbefriedigend empfunden. Die schwierige Aufgabe einer Neukonzeption traute man dem Münchner Maler Hubertus Reichert zu. Von ihm hängt bereits ein abstraktes Diptychon im Pastoralzimmer neben dem ökumenischen Andachtsraum im Erdgeschoss.

Der Abschiedsraum liegt in einem Gang im Untergeschoss der Klinik, neben dem Aufbewahrungsraum für die Toten. Er hat denselben Zuschnitt wie die benachbarten Funktionsräume, hebt sich aber schon durch seine Lage gegenüber dem abgesenkten, bepflanzten Lichthof von diesen ab.

Ziel der Ertüchtigung war es, den Raum mit einer Lichtstimmung zu versehen, die dem Anlass gerecht werden sollte, und ihn mit einem künstlerischen Element aufzuwerten, das über das praktisch Notwendige hinausgeht.

Über den Großteil des Raumes sind zwei Segel gespannt, hinter denen sich die hauptsächlichen Lichtquellen sowie die Lüftung befinden. Sie verteilen das Licht indirekt im Raum und erzeugen eine warme Lichtqualität. Darüberhinaus gewinnt der Raum optisch an Höhe. Die künstlerische Gestaltung soll dem Trauernden mit Symbol und Malerei überkonfessionell Trost spenden. An den Stirnseiten befinden sich auf der einen Seite die tiefblauen Schiebevorhänge, durch die der Leichnam hereingeschoben wird. Auf der anderen Seite hängt das annähernd wandfüllende ungegenständliche Gemälde von Hubertus Reichert. Das lichte Goldocker der Malerei bildet ein räumliches und farbliches Pendant zum Vorhang und zum ockerfarbenen Diptychon im Pastoralraum. Vor allem steht die Farbe Gelb für das Licht schlechthin. Gegenüber der Eingangstür ist eine Halterung für das Vortragekreuz in den Boden eingelassen, um es bei Bedarf aufzustellen.

Der Leichnam wird auf dem Krankenbett hereingefahren und mit dem Kopf in Richtung Gemälde auf die im Boden markierte Fläche gestellt. Neben ihm steht der Kerzenleuchter von Kunstschmied Otto Baier aus München. Er hat ihn zusammen mit der anderen Ausstattung im Andachtsraum für diesen Zweck in Edelstahl geschmiedet. Die Kerzen leuchten über dem Gesicht des Toten. Sie schaffen zusammen mit der indirekten Beleuchtung eine Atmosphäre, die sich deutlich abhebt von allen anderen Räumen im Klinikum und strahlen - dem Andachtsraum verwandt - etwas Sakrales aus.

 

 

Ankauf des Multiples „Kreuz“ von Werner Mally (2012-2014)

Im März 2012 besuchten Mitglieder des Vereins für Christliche Kunst in München die Werkstatt des Münchner Bildhauers Werner Mally (* 1955). Das Multiple, das sie dort unter dem Titel „Zufall würfelt nicht!“ sahen, löste sofort Assoziationen an ein Kreuz aus.

Das dreiteilige Objekt, in geschlossenem Zustand mit einer Seitenlänge von 96 mm, besteht aus einem kreuzförmigen Aluminiumkern, umschlossen von einer zweiteiligen Rahmenkonstruktion aus Holz. Fügt man diese beiden Rahmenteile passgenau um das Kreuz aneinander, so ergibt sich ein glatter Würfel, der vom Spiel der unterschiedlichen Materialien lebt. Doch auch andere Kombinationen sind möglich. Die hölzernen Rahmenteile können das Metallkreuz wie ein bergender Schrein sichtbar werden lassen oder es als Sockel überhöhen. Das sphärische Kreuz greift nach allen Seiten in den Raum und erinnert so an die Ur-Bedeutung des Kreuzes als Symbol des Kosmos.

Werner Mally hatte den Würfel 2011 in einer limitierten Serie hergestellt, um mit dem Verkauf sein Installationsprojekt RESTLICHT zu finanzieren. Diese viel beachtete, temporäre Gedenkskulptur (u.a. beim Münchner Siegestor) thematisiert die durch die Nationalsozialisten verübten Verbrechen in Europa. Vor diesem Hintergrund lag es nahe, diese Kreuz-Skulptur der Pfarrei Hl. Kreuz in Dachau zu stiften, deren Patrozinium und Historie eng mit dem KZ Dachau verbunden ist (s.a. Jahrbuch XXVI, 2013, 140-149).

Die Übergabe an die Gemeinde wird zu Ostern 2014 anlässlich des fünfzigjährigen Bestehens der Pfarrei stattfinden.

 

 

Die Restaurierung der Seitenaltäre von St. Wolfgang in München-Pipping (2008-2012)

Im Juli 2008 wurde vom Vorstand das erste Förderprojekt beschlossen. Es handelt sich um die systematische Restaurierung der beiden Seitenaltäre von St. Wolfgang in München-Pipping. Wegen akuter Einsturzgefahr musste die Kirche geschlossen, der Hochaltar eingehaust und die beiden Seitenaltäre ins Bau- und Kunstdepot der Erzdiözese ausgelagert werden. Mit der Restaurierung der Wandgemälde und des Hauptaltars stand auch eine Restaurierung der beiden Seitenaltäre an. Die neue Situation hat eine solche Maßnahme nun dringend notwendig gemacht.

Die beiden Seitenaltäre sind Teil einer bis heute annähernd unberührten Denkmaltopografie des späten 15. Jahrhunderts. In ihrer hohen künstlerischen Qualität stellen Kirche und Ausstattung innerhalb der Erzdiözese ein Kleinod spätgotischer Kunst dar.

Etwa zehn Jahre vor Errichtung der Kapelle in der Blutenburg hatte sich Herzog Sigismund zum Neubau einer Kirche entschlossen, die an der Würm auf dem Pilgerweg des hl. Wolfgang von Regensburg ins Salzkammergut liegt. Sie wurde nach einer Gedenktafel aus dem 19. Jh. nach nur zwei Jahren Bauzeit am 13. August 1480 geweiht. Als Baumeister der flach gedeckten Saalkirche mit rippengewölbtem Polygonchor und seitlichem Spitzturm vermutet man Jörg von Halspach, als Maler, zumindest der Fresken im Chor, Jan Polack. 1701 wurde die spätgotische Dorfkirche als point de vue des Schlosses Nymphenburg in dessen barocken Gesamtplan einbezogen. Einen Umbau hatte diese Entscheidung nicht zur Folge. Mit der Einrichtung der Stadtpfarrkirche Leiden Christi, 1924, erhob man St. Wolfgang zur Filialkirche.

Die Kirche besitzt drei Flügelaltäre, wobei der Hauptaltar dem hl. Wolfgang geweiht ist. Der linke Seitenaltar zeigt im Schrein die Figur der thronenden Muttergottes flankiert von den hll. Laurentius und Leonhard. Auf den Flügelinnenseiten befinden sich Gemälde mit der Enthauptung des hl. Sigismund und dem Wirken des hl. Leonhard. Im Schrein des rechten Seitenaltars steht eine Figur des Auferstandenen zwischen den hll. Wolfgang und Antonius Eremita. Auf den Seitenflügeln sind die Martyrien der hll. Sebastian und Laurentius dargestellt, auf den Predellen beider Altäre präsentieren Engel das Schweißtuch.